übers leben und den tod und den heiligen christopherus

vor vielen jahren haben paula und ich über den tod gesprochen. er war uns beiden nie fremd, nie ein gräuel, eher so ein unverständliches mysterium. oma war stark gläubige katholikin. ihr liebster heiliger war der christophorus, den sie immer dann anrief, wenn sie was suchte. die muttergottes war ihr wie eine freundin. die vorstellung, was nach dem tode sein würde, hat oma nie erschreckt. sie war sich immer sicher: eines tages würde sie beim lieben gott sein, ihre eltern, ihre brüder und meinen kleinen bruder wiedersehen.

nun ist es so eine sache mit der demenz. gläubig ist paula wohl immer noch. sehr oft sagt sie: „ich wünschte, der herrgott würde mich endlich zu sich holen.“ oder: „ich mag nicht mehr leben. der liebe gott soll jetzt endlich mal erbarmen mit mir haben.“ der heilige christophorus hingegen ist ihr kein begriff mehr, und das jetzt, wo sie ihn mehr als brauchen könnte. für mich, als agnostikerin, ist das alles nicht ganz einfach. aber meine aufgabe als enkelin ist es ja schliesslich, paula zu trösten. besonders schwierig wird es während paulas depressiven phasen, wo sie mich darum bittet, für sie zu beten. ich kann es nicht.

vor acht jahren hatten paula und ich einen handfesten krach. sie hatte nämlich per zufall erfahren, dass ich vor jahren zur kirche ausgetreten bin. paula wollte das nicht gelten lassen. meine argumente fand sie dementsprechend sackschwach. am ende der diskussion meinte sie lediglich: „egal, ob du an den herrgott glaubst oder nicht. er wird’s schon richten!“
so sei es.