Ausgeknockt.

Seit mehreren Wochen kämpfe ich mit einem Atemwegsinfekt. Ich kenne das ja seit meiner Kiefer-OP von vor achtzehn Jahren. Anfangs waren das nur Nebenhöhlenentzündungen. Jetzt habe ich Probleme mit meinem Hals und meinen Lungen. Die Husterei raubte mir den Schlaf. Sie erschöpft mich. Mein Hausarzt hat mich nun zwei Tage krank geschrieben und getestet, was der Auslöser für die Hustenanfälle ist.

Dabei bräuchte ich jetzt meine ganze Energie. Blöd herumliegen ist nicht mein Ding. Ich muss mich von meinem jetzigen Daheim trennen. Ich muss mein Leben entrümpeln. In unserem Estrich stehen noch meine Kindermöbel. Plüschtiere. Gegenstände meiner Mutter. Und meiner Schwester.

Ich habe wenig Lust, kistenweise Zeugs meiner Schwester in mein Haus mitzunehmen. Alles einfach wegzuschmeissen ist aber auch nicht mein Ding. Ich sollte wohl ihren Beistand anrufen und ihn bitten, die Dinge abzuholen.

Vor zwei Jahren habe ich säckeweise Zeugs meiner Oma mitgenommen. Sie wollte unbedingt, dass ich es bei mir aufbewahre. Und jetzt… transportiere ich wieder alles zurück. Es ist eine seltsame Sache.

Dass mein Körper jetzt reagiert, verwundert mich nicht. Seit Monaten war ich angespannt. Kann ich das Haus kaufen? Oder nicht? Legt wer Einspruch ein? Oder wird alles abgerissen?

Die Situation ist ja jetzt vollkommen positiv. Doch ich merke, dass das alles nicht an mir spurlos vorüber gegangen ist. Oftmals wünschte ich mir, ich könnte einfach Omi anrufen, ihr alles erzählen und sie würde mich trösten. Doch in diesem Fall geht das nicht mehr. Es würde sie bloss sinnlos durcheinander bringen und das wäre dann egoistisch von mir.

Das Aufräumen hat aber auch was positives. Ich sortiere aus. Ich gebe Dinge zurück und ich schmeisse genüsslich weg, was ich nicht mehr haben will. Dennoch habe ich das Gefühl, ich komme nicht vorwärts. Der lange Weg ins Toggenburg, manchmal dauert ein Weg fast eine Stunde, zerhackt den Tag.

Omi hat früher immer gesagt: „Es chunnt scho guet. Muesch nume an Herrgott glaube.“ Wenn der mir den Sperrmüll im Haus entsorgen würde, wäre ich wirklich dankbar.