inwendig weinen

diese woche habe ich abgesehen von einigen anrufen wenig von paula gehört. meistens hat sie mit sascha gesprochen und ihm ihr leid geklagt. er hat es wie immer geschafft, sie zu trösten und aufzumuntern.

ich habe währenddessen mit ämtern, der spitex und der heimleitung telephoniert. auf fragen wie: „wann kommen sie?“ und „werden sie mit frau p. noch etwas essen?“ reagiere ich überfordert, weil ich ahne, wie schwer mir die übergabe von paula fallen wird.

heute abend schliesslich hab ich sie angerufen. ihre telephonnummer kenne ich, seit ich ein kleines kind bin. für mich war es immer die schönste nummer der welt.

paula ist gefasst. wir sprechen ein wenig darüber, wie es mir geht. ich erkläre ihr, dass ich am montag mit sascha, helene und rolf vorbei komme.

„der sascha ist schon ein netter kerli“, meint sie. „den mag ich.“
„ja, das ist er.“ antworte ich.
„aber deinen mann hätte ich fast nicht mehr erkannt. der ist auch älter geworden.“
ich stutze.
„wen meinst du?“
„na, den rolf.“ ich schlucke. rolf ist mein vater, paulas ex-schwiegersohn.
„wie gehts euren mädchen?“
ich schlucke nochmals schwer.
„denen geht es gut.“
„haben die eigentlich schon kinder?“
ich verneine. der kloss treibt mir tränen in die augen.
„gell, das müssen die selber wissen.“
ich gebe ihr recht.

das ist wohl der moment, wo zora nicht mehr in ihrer erinnerung vorhanden ist, sondern nur noch ihre tochter, deren namen sie nicht mehr kennt.