die liebe verwandtschaft

es ist schon seltsam. wenn ein familienmitglied dement wird, spaltet sich die liebe verwandtschaft auf: die sonst immer so netten haben plötzlich immer was sehr dringendes zu tun, wenns ums ablösen oder einen besuch geht. die überkritischen fordern sofortige entmündigung und am liebsten einweisung die geschlossene psychiatrie, zuvor jedoch noch die verteilung der güter. und dann sind da noch die ewigen ignorierer, die selbst wenn oma nicht mal mehr selber aufs klo gehen kann, dran glauben, dass „das alles schon wieder wird“. übrig bleiben dann nur noch die sozialkompetenten, die ewig netten. an denen bleibt dann der ganze papierkrieg, das räumen der (vermüllten) wohnung, der umzug ins altersheim, hängen.

ich habe insofern glück, dass ich einen partner habe, der mich unterstützt und mich aushält, wenn ich mal wieder am ende meiner kräfte bin, weil ich alle meine freien tage bei paula verbringe. nicht zur ruhe komme.

ich habe glück, dass ich meinen vater und seine frau habe, die mir helfen wollen, wenns hart auf hart kommt.

vor allem aber habe ich glück, dass ich freunde habe, die sich bei all meinem gelaber über paula nicht von mir abgewendet haben. dafür bin ich sehr dankbar. dieses glück hat nicht jeder und ich bin mir dessen bewusst.

schön wäre, wenn die leser dieses blogs wahrnehmen, wenn in ihrem näheren umfeld not am mann oder an der frau ist. meistens ist zuhören die halbe miete.