Zu früh. Doch Gottes Wille.

Diese Karte fand ich im Haus meiner Oma.
Sie hat mich entsetzt.

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Zu früh. Doch Gottes Wille.
Man könnte, wie mir jemand geraten hat, Gottes Wille durch „Schicksal“ ersetzen. Doch das steht da nicht.

Die Karte wurde versendet mit einem vermeintlichen Trost. Die Karte war an meine Oma adressiert. Den Absender kenne ich leider nicht. Grosse Wut steigt in mir hoch, wenn ich diese Worte lese.
Meine Mutter starb mit 56. Gottes Wille, dass sie in diesem Alter starb? Wohl eher nicht. Sie starb an einer Leberzirrhose, nachdem sie über Jahre hinweg versucht hat, ihren Lebenskummer mit Alkohol zu betäuben.

Ich glaube nicht an Gott.
Der Glaube kam mir abhanden, nachdem ich mitbekommen habe, wie schwer meine Eltern am Tod meines Bruders getragen haben. Gottes Wille? Dass ein Säugling stirbt? Wer bitte ist schuld daran?

Meine Mutter gab sich über Jahrzehnte lang die Schuld am Tod meines Bruders. Man hat es ihr auf den Kopf zugesagt, dass sie als Mutter die Verantwortung für sein (Über-)Leben trug und versagt hat. Sie ist daran zerbrochen. Über Jahrzehnte hinweg hat sie versucht, sich an seinem Todestag das Leben zu nehmen. Sie hat geweint. Da war kein Gott und erst recht kein Mensch an ihrer Seite, der sie hätte trösten können.

Die Gottes-Keule ist ein super Mittel, trauernden Menschen so richtig eins reinzuhauen. Jemandem so, der gerade einen Menschen auf grauenvollste Art und Weise verloren hat, mit Gottes Willen zu kommen und dass alles bestimmt einen Sinn hat, ist unverschämt und pervers.

Nachtrag: Hass macht krank. Ich versuche, nur wütend zu sein. Der Song hier hilft. Danke, lieber Freund!