Trösten ist nicht mein Ding

In meinem freundschaftlichen Umfeld starben vor wenigen Wochen mehrere sehr alte Menschen, Eltern von Freunden. Mein erster Impuls, trösten zu wollen, hat nicht funktioniert. Ich bringe kein Wort heraus.

Was soll ich einer Tochter sagen, die ihr Elternteil sterben sieht? Gut, dass es vorbei ist? Nein. Das kann ich nicht.
Dass es mir leid tut? Ja. Könnte ich. Ist aber auch nur eine leere Floskel.
Dass ich weiss, wie sich mein Gegenüber fühlt?
Was für eine Unverschämtheit! Ich kann nur ergründen, wie es mir erginge, doch das sagt nichts über die Gefühlswelt meines Gegenübers aus, sondern nur über meine eigene Belastbarkeit und Geschichte.

Ich glaube nicht, dass man Angehörige trösten kann. Ich bin nicht religiös und Sätze wie „Der Herrgott hat ihn/sie/es zu sich genommen“, verstören mich.

Alternde Eltern werden noch mehr ein Teil des eigenen, erwachsenen Lebens. In ihnen erkennt man sein eigenes Altern. Man bekommt seine Eltern noch lieber, denn sie sind einfach da. Sie nehmen Anteil an all den Festen, Geburtstagen, Weihnachtsfeiern. Man lacht gemeinsam. Umarmt sich. Immer wieder herzliche Umarmungen und liebe Worte. Manchmal denke ich, es ist nicht nur schrecklich, wenn man seine Eltern früh verliert. Man muss nur früher seinen Weg finden, ohne die voraus gelebten Vorbilder, auch wenn es weh tut.

Ich kann nur von aussen beschreiben, was ich sah bei meinen Freunden: Menschen, die über sich herausgewachsen sind. Menschen, die so sehr lieben, dass sie die schlimmsten Erfahrungen ertragen. Menschen, die eigene Bedürfnisse zurückstecken, nur um an der Seite des geliebten Elternteils zu sein.

Trost ist fehl am Platz. Eine Umarmung, ein Stück Kuchen, eine Kerze wohl eher nicht. Es bleibt schwierig.

4 Gedanken zu “Trösten ist nicht mein Ding

  1. da sein ist der grösste trost. dass ich so sein konnte, wie ich bin, wie ich mich fühle, als ich trauerte, war mir der grösste freundschaftsdienst und hat mich echt getröstet. dann spielen „falsche“ oder möglicherweise „platte“ worte sogar keine rolle. und hilflosigkeit auch nicht. da sein. einfach da sein. (meine meinung natürlich nur …)

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  2. Sterben unsere Eltern nehmen sie einen Teil von uns unwiederbringlich mit, egal, welches Verhältnis wir zu ihnen hatten. Es war mir ein grosser Trost, dass einige Freunde, die ich zum Teil schon länger nicht mehr gesehen hatte, eine Karte schrieben oder an die Beerdigung kamen. Ein Blick, eine Umarmung, ein Wort. Alles hilft.

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  3. Da sein, an die Hand nehmen, die Enkelkinder an die Hand nehmen, aufpassen

    Die Beerdigung meiner Mutter war unwirklich. Nach dem der Sarg unten war und wir Blumen ins Grab gegeben hatten, bin ich mit meiner Familie geflüchtet.

    Ich brauchte Abstand vom Grab.

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