Vielleicht.

Wenns nach mir ginge, wäre alles anders.
Dann würden meine Mutter und mein Bruder noch leben.
Mein Opa wäre noch da. Omi Paula besässe noch ihre Erinnerungen an mich. Alle wären glücklich.
Ich wäre auf ewig ein Kind von sechs Jahren, ohne Narben, ohne Zukunft, geliebt, verwöhnt und zufrieden.

Doch irgendwie ist das Leben wohl anders gedacht.
Ich denke oft darüber nach, warum mich der Tod meiner Mutter und meines Bruders so mitnimmt. Das Leben geht doch weiter. Ich lebe gerne.
Trotzdem berührt es mich. Mein Leben ist nicht mehr oberflächlich. Im Gegenteil. Weniger denn je mag ich mich mit Menschen umgeben, die die Tiefe scheuen.
Am liebsten spreche ich mit Menschen, die ähnliches erlebt haben. Ich erkenne mich wieder. Ich brauche nichts zu erklären. Alles ist gesagt ohne viel Worte.

Ich hab hart daran zu beissen, dass mein Omi langsam stirbt. Ich bin zwar dankbar, dass ich jeden Tag Abschied nehmen kann und muss. Aber manchmal wünschte ich mir, es wäre alles anders. Leichter.

Vielleicht wäre ich ohne all das ein anderer Mensch. Freundlicher. Offener. Weniger grüblerisch. Vielleicht ist das alles aber auch ein Geschenk, damit ich wirklich im Moment lebe.