Als ich noch ein kleines Mädchen war, konnte ich es nur schwer ertragen, wenn ich von meiner Omi Paula getrennt war. Wenn sie uns besuchte, kroch ich fast in sie hinein. Sie war mir die liebste, die herzlichste Frau. Sie und ich, das war eines.
Heute bin ich 36, Paula bald 86. Seit über einem Jahr lebt Paula in ihrem Pflegeheim. Sie wird Tag und Nacht umsorgt.
Meine Schuldgefühle haben abgenommen, wohl weil Paula im Heim angekommen ist und sich sichtlich wohlfühlt. Doch es gibt auch noch andere Gründe. In meiner Tätigkeit als Ausbilderin erlebe ich mit, vor welche Probleme die Pflegenden gestellt werden. Über die Löhne schweige ich mich aus. Auch über den Umgang der Schweizer Klienten mit ihren Pflegenden, die mehrheitlich aus Südosteuropa stammen.
Aber ich erlebe mit, wie die jungen Pflegenden trotzdem liebevoll und professionell pflegen. Mit einem Mal fühle ich mich klein. Denn ganz im Ernst: einen fremden Menschen pflegen, ist anspruchsvoll. Aber den eigenen, liebsten Menschen tagtäglich zu pflegen, ohne Pause, ist selbst für mich ein unerträglicher Gedanke.
Der Artikel hier hat mich sehr nachdenklich gemacht. Ich musste daran denken, dass wenn ich vielleicht nicht so einen tollen Job hätte, Paula weniger Vermögen und ich näher wohnen würde, ich in derselben Situation gewesen wäre. Ich hätte Paula gepflegt und wäre total überfordert.
Gewalt in der Pflege passiert so schnell. Man ist gestresst, demente Klienten können selber auch sehr rabiat sein und schon ist es geschehen.
Deshalb ist es unglaublich wichtig, dass Frauen und Männer, die in der Altenpflege arbeiten, eine gute Ausbildung erhalten und wissen, wie sie bei Überforderung reagieren müssen. Noch sehr viel wichtiger ist aber, dass wir, die wir nicht in diesem Bereich arbeiten, diesen Menschen unseren Respekt für ihre Tätigkeit erweisen. Sätze wie: Füdli putzen kann ja wohl jeder sind einfach daneben. Ganz egal, ob ein Bauarbeiter oder ein Politiker sie macht…