Ich habs noch immer nicht geschafft, Omis Kisten aus dem Pflegeheim auszuräumen. Sie stehen im kalten Zimmer und ich hab das Gefühl, als schauen sie mich jedes Mal traurig an.
In der Kiste sind Fotos und Alben von Omi und mir und es tut mir einfach nur weh, wenn ich sie jetzt in die Hände nehme. Ich verfluche den Winter, denn ich mir sicher, wenn ich endlich Blumen auf dem Grab pflanzen könnte, ginge es mir besser.
Ich vermisse Omis Geruch, ihre Haare, die sie immer schön von mir gekämmt haben wollte. Ich vermisse es, über ihre langen Hände zu streicheln. Dass ihr Ehering jetzt an meiner Krähenkette hängt, tröstet mich nur bedingt. Es scheint alles auseinander gerissen, was zusammen gehört.
Jetzt sollte ich mich auch damit auseinander setzen, welcher Grabstein irgendwann auf Omis Grab stehen sollte. Schliesslich gehts ums Bezahlen, ums Erben. Ich mag jetzt nicht Steine aussuchen. Mit einem Stein auf dem Grind ist alles endgültig. Am liebsten würde ich warten, bis Opas Grabstein in ein paar Monaten entfernt werden muss, denn Omi hat ihn gemocht.
Manchmal rinnen mir einfach die Tränen aus den Augen und ich weiss gar nicht weshalb. Manchmal verspüre ich einen so tiefen Schmerz in der Herzgegend, dass ich denke: jetzt gehst du auch. Dabei ist es noch nicht an der Zeit. Ich muss endlich wieder in den Garten. Meine Hände müssen die Erde spüren, damit auch sie wissen: Lebe.
