Karriere machen

Als ich noch ein kleines Mädchen war, wollte ich den gleichen Beruf wie meine Oma ergreifen. Sie war Kioskfrau!
Es gab damals nicht schöneres für mich, als sie bei der Arbeit zu begleiten, Zigarettenpäckli einzuordnen, Stangen, Heftli schön in die Regale zu legen. Alles musste gut aussehen. Ich liebte es über alles!

Paula erzählte mir, dass es nicht ganz einfach war, um 1948 als Frau überhaupt einen Beruf zu ergreifen. Sie durfte nämlich, im Gegensatz zu Bibi und Hadi nicht in eine Berufslehre einsteigen. Ihr Weg war sozusagen vorbestimmt: als jüngste Tochter sollte sie für die alten Eltern sorgen.
Aber Paula gab nicht auf. Sie begann ihre Karriere in einer Strumpffabrik. Sie hat nicht oft darüber gesprochen, was sie da alles tun musste. Nur für etwas hatte sie klare Worte: die Arbeit hat ihr die Augen verdorben. Sie trägt seither eine dicke Brille.

Paula heiratete meinen Grossvater, wurde schwanger und brachte meine Mutter auf die Welt. Sie suchte eine neue Arbeit.

Paula erhielt einen Job bei Oscar Weber. Sie durfte Botengänge erledigen. Oscar Weber war damals ein grosses, tolles Kaufhaus. Sie wurde von einer Kundin um Rat beim Kauf einer Strumpfhose gefragt. Paula, hilfsbereit wie sie war, beriet die Kundin. Als sie die Kundin an der Kasse einer ausgebildeten Verkäuferin übergeben wollte, bemerkte Paula, dass der Chef ihr die ganze Zeit zugesehen hatte. Er forderte Paula auf, an die Kasse zu gehen und die Kundin zu Ende zu bedienen. Daraufhin wurde sie sofort als Verkäuferin angestellt.

Paula arbeitete fürs Leben gerne als Verkäuferin. Sie mochte grosse Warenhäuser, Haushaltsabteilungen, Mercerien und Strumpfabteilungen. Als meine Mutter heiratete, übernahm Paula einen Kiosk, den sie mit Kolleginnen betrieb.

Meine Mutter hatte ebenfalls eine An-Lehre als Verkäuferin gemacht, hatte aber immer wieder als Serviertochter gearbeitet Die Arbeit im Kiosk gefiel ihr. Doch dann, als sie mit mir schwanger war, geschah eine schlimme Sache. Ein Stammkunde, den Paula und meine Mutter als freundlichen, aufgestellten Menschen kannten, warf sich im Bahnhof Sirnach vor den Schnellzug, der von Winterthur nach Wil fuhr. Meine Mutter erzählte mir später, dass auf dem ganzen Bahnsteig Blut und Körperteile lagen. Es muss sie so sehr schockiert haben, dass sie danach nie mehr in einem Bahnhofskiosk arbeitete.

Paula hingegen liebte die Arbeit am Kiosk, den Auflauf von Kunden zu jeder Tageszeit, die Geschäftsmänner, die den „Tagi“ oder die „NZZ“ „mit“ kauften.

Die Kioske, in denen Paula einst ihr Geld verdiente, sind mittlerweile alle verschwunden.

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Krankenbesuche

Anstrengend waren während Mutters letzten drei Monaten die Besuche. Es erfüllt mich heute noch mit Wut.

Ich hatte gerade eine neue Stelle angetreten, pendelte zwischen meiner Wohnung und dem 80km entfernten Wohnort meines damaligen Freundes, kümmerte mich um Paula und nun das: es rieb mich völlig auf.

So arbeite ich zwischen vier bis sechs Tage die Woche, ging nach Feierabend im Spital vorbei. Natürlich ist es ein bisschen suboptimal, wenn man unregelmässig arbeitet. Vor dem Spätdienst vorbei konnte ich natürlich nie, weil da keine Besuchszeiten waren, nicht mal bei einem sterbenden Menschen.
Meine Mutter hatte praktisch nie Besuch. Das war vielleicht ein Segen. Ich hätte aufgestellte Menschen, die ihr Hoffnung machen, nicht ertragen.

Ich lernte das Spital, wo schon mein Bruder zur Welt kam und gestorben war, von Herzen hassen. Noch heute überkommt mich Wut, wenn ich es betrete. Meine Mutter wurde dort nicht besonders liebevoll gepflegt. Aber das wunderte ja auch keinen: Schliesslich war sie unheilbar an Leberzirrhose erkrankt. Eine sterbende, alternde Alkoholikerin.

Die Besuche laugten mich aus.
Ich hatte Angst. Wie würde meine Mutter die nächsten Tage überstehen? Was würde passieren? Meine Nächte waren grauenvoll. Ich wachte regelmässig schweissgebadet aus Albträumen auf. Wenn mich jemand berührte, begann ich zu weinen.

Den Geruch von Krankenhäusern hasse ich. Dieses saubere, klinische. Dieses „hier-wird-man-schnell-wieder-gesund-Gefühl“, das man einem vermitteln will. Nein. Ich wusste es. Hier kommt sie nicht heil raus.

Ich vermeide seither Krankenbesuche. Es ist nicht so, dass ich kranke Freunde nicht besuchen will. Aber die Emotionen, die Gerüche, die Klänge berühren mich so sehr, dass ich Mühe habe.

Umso mehr geniesse ich es, wenn ich Paula in ihrem Pflegeheim besuchen kann. Es riecht nach daheim. Nach alten Menschen, Putzmittel, Kaffee und Essen. Es ist sauber, aber heimelig.

Wenn ich nicht zuhause sterben kann, dann will ich doch lieber so gehen. Das Spital wäre für mich die Hölle.

Happy

Was mich glücklich macht

– der Storch neulich auf der Wiese vor unserem Dorf

– blühende Magnolienbäume

– Filme, bei denen ich weinen muss

– Gedichte, bei denen ich denke: das hat die Autorin nur für mich geschrieben

– gut gereifter Käse

– gespitzte Bleistifte

– Aretha Franklins Stimme

– der Fuchs, der mich manchmal morgens vor der Arbeit scheu anschaut

– die Katze, wenn sie mich morgens weckt

– das Haus

– orange Tulpen

– Väter, denen man ansieht, dass sie ihre Kinder mögen

– Dior 999

– Sacre de Printemps

– junge Krähen

– nähende Frauen

– Jacquard

– Stewart Granger in „King Solomons Mines“

– handgeschriebene (Liebes-)Briefe

– Golden Cadillacs

– meine Bernina 531

– alte Menschen, die sich über kleine Babies freuen

– die Hände alter Menschen

– Nina Simone

– Perlen

– Briefmarken

– Queen

– der Duft der Apfelblüten

– Langlaufen auf dem Wellenberg

– Sonnenaufgänge über der Thur

– Freunde wiedersehen und in die Arme schliessen

– bei prasselndem Regen ein Buch unter der Bettdecke lesen

– Jasmintee

– Sherlock Holmes

– Priscilla, Queen of the Desert

– Coupe Nesselrode mit Schoggiglacé

– Der Bodensee im Sommer

Was macht Dich glücklich?

Spiegel

Was ich an meiner Mutter am Ende so bewundert habe, war ihre unerschütterliche Hoffnung und ihren Lebenshunger. Am Anfang meines Lebens, nach dem Tod meines kleinen Bruders, war sie dem Leben nicht mehr sehr nahe.

Ich habe mich als Zwanzigjährige immer etwas über sie gewundert. Sie liebte Feste, sie trank gern. Sie liebte Volksmusik. Stundenlanges Philosophieren. Im Rückblick erscheint sie mir manchmal wie eine Kerze, die von beiden Enden her gebrannt hat.

Am Ende ihres Lebens hat sie sich ans Leben geklammert. Nicht verzweifelt, eher mit einer Art Bedauern. Ich sass an ihrem Bett, während sie kämpfte.
Ihr Atem ging schwer. Ihre Hände wurden langsam kalt. Sie wurde regelmässig umgelagert.

Wobei, kämpfen ist harter Ausdruck. Ich halte nicht viel von Esoterik, aber im Rückblick scheint es mir, als hätte sie sich zurückgekämpft.
Meine Mutter wirkte in den letzten Stunden ihres Lebens mehr denn je wie eine Schwangere, die gebärt. Ihre Körperhaltung, die Beine, ihr Seufzen. Es war für mich, 30 Jahre nach meiner Geburt, berührend zu erleben, wie sehr sie sich anstrengte, hier zu bleiben. Nicht zu gehen.

Nachdem sie diesen einen, letzten Atemzug getan hatte, war es so seltsam leer. Ohne eine Mutter zu leben, erschien mir damals unvorstellbar. Es schien mir, als wäre meine psychische Nabelschnur ein zweites Mal durchtrennt worden.

Manchmal sehe ich Frauen um die 60 mit ihren schwangeren Töchtern. Ich stelle mir vor, wie das gewesen wäre. Hätte meine Mutter mich genervt? Wäre sie eine so tolle Grossmutter geworden wie ihre eigene Mutter? (Meine Mutter hat mir damals immer gedroht, sie würde meine Kinder mal genauso furchtbar verwöhnen wie Paula mich).

Wenn dir deine Mutter stirbt, verlierst du, gerade als Frau, deinen zukünftigen Spiegel. Mein Spiegel wird bis gerade mal 56 reichen. Danach gibt es nichts mehr, was Vorbild sein könnte.
Das Leben fängt aber lange davor an.

Sterben

Der Tod ist kein Freund für mich.
Er ist eine Art dunkler Schatten über meiner Familie. Als Kind verstand ich ihn nicht. Ich wusste, er bringt meine Mutter zum Weinen. Ich ahnte, dass er was mit dem Nichtnachhausekommen meines Bruders zu tun hatte.

Als meine Urgrosseltern starben, wusste ich, dass das daran lag, dass sie sehr, sehr alt waren. Mein Uropa Henri war 95 Jahre alt, als er im Schlaf starb.

Opa Walter hatte Leberkrebs. Er wusste, dass sein Tod nicht friedvoll sein würde. Es muss ihn bei der Diagnose, vier Monate vor seinem Tod, erschüttert haben. Er schwieg. Aber Paula erfuhr von der Spitexfrau, wie er sterben würde. Und: dass er es wusste.

Es erscheint mir heute noch grauenvoll, dass er geschwiegen hat. Hatte er grosse Angst? Paula erzählte mir, dass er langsam erstickte, ja beinahe ertrank.

Ursulas Sterben verlief ähnlich. Ihre Leber gab ebenfalls auf. Ihre Lungen liefen voll Wasser. Ihr Nach-Luft-Holen im Sterbeprozess hör ich heute noch in Albträumen.

Ich denke oft über den Tod nach, allerdings nicht in der Weise von „ich will nicht sterben!“. Ich mache mir sehr wohl Gedanken, was ich mir wünsche und was nicht. Ein Unfall wäre schrecklich. Ich mag nicht einfach mit einem Knall weg sein.

Ich kriege mit, dass Menschen sagen: „Also, mit Demenz leben würd ich nicht wollen. Das wäre ein Grund, mit allem Schluss zu machen“.

Wenn ich mir Paula ansehe, so fühle ich ihre Lebensfreude. Sie ist unbeschwerter als noch vor zwei Jahren. Sie lebt im Jetzt.

Smalltalk vs. wirkliche Nähe

Wenn ein Angehöriger im Sterben liegt, gibt es mehrere Möglichkeiten, wie man sich verhält:

Die einfache Variante ist die, in der man sich mit Arbeit zumüllt, sich abwendet und sich erst wieder meldet, wenn alles vorbei ist. In der heutigen Zeit ist die Beschäftigung mit dem Tod so eine Sache. Wir sind alle sehr viel lieber jung, smart und lebendig. Totsein ist eine belastende Sache fürs Umfeld. Besonders trauernde Männer bevorzugen diese Art der Trauer.

Die andere Variante, die ich persönlich bevorzuge, ist jene, wo ich mich zuwende. Sterben ist per se nichts Abnormales. Es ist sozusagen genauso normal, wie wenn jemand ein Kind zur Welt bringt, nur andersrum.

Die Beschäftigung mit dem Sterben hat allerdings Nebenwirkungen. Ich wage zu behaupten, dass ich mich verändere, wenn ich mich mit einem Sterbenden abgebe. Ich gewinne neue Einsichten über das Leben und mich selbst. Wie gehe ich mit dem Schmerz um? Was fühle ich? Wie viel Nähe lasse ich zu?

Als meine Mutter im Sterben lag, konnte ich fast nicht mehr reden, denn es gab fast niemanden, der mir hätte zuhören wollen. Man wiederholt sich. Smalltalk ist mit dem Angehörigen eines Sterbenden keine gute Sache.

Auf die Frage: „Wie geht es dir?“ zu antworten mit: „Es geht mir schlecht. Meine Mutter liegt im Sterben.“ ist natürlich kein Satz, den man auf einer lustigen Party sagt.

Wir haben den Tod aus unseren Leben ausquartiert. Man sterbe bitte in Sterbehäusern, in Altersheimen, im Spital, aber bitte nicht neben mir.

Aber ich habe auch noch was anderes beobachtet. Wenn ich mich öffne, gerade gegenüber Angehörigen, die jemanden verlieren, ist wirkliche Nähe möglich. Es braucht sehr viel Mut, über seine Gefühle zu sprechen. Schlussendlich erleben wir doch fast alle dasselbe: wir verlieren Menschen, die wir lieben, die unser Leben bereichert haben. Wir sind es uns doch schuldig, dass wir nicht nur über ihr Leben, sondern auch über ihr Gehen von dieser Welt sprechen, oder?

Das erste Mal

Ich glaube, die wirklich schlimme Sache an der Demenz meiner Oma war das erste Mal, als sie mich nicht mehr erkannt hat. Ich wusste damals nicht, warum mich das so sehr verletzte, dass ich weinen musste.

Mit dem Abstand von fast zwei Jahren sehe ich klarer:
Als Mensch lebe ich verschiedene Rollen aus. Bei Paula und mir war es klar. Sie ist die Oma, ich die Enkelin. Ich weiss genau, wie sehr sie mich geliebt und beinahe auf Händen getragen hat. Auch sie war für mich die wichtigste Bezugsperson meines Heranwachsens.

Die Demenz nahm uns das alles. Es kam der Tag, an dem sie meinen Namen nicht mehr wusste, wo sie mich nicht mehr erkannte. Schon als sie viele Leute nicht mehr erkannt hat, so wusste sie mich doch immer einzuordnen. Das war mit einem Mal nicht mehr der Fall. Ich wurde wütend, aufs Schicksal. Auf alles.

Ich sehe es heute gelassener.
Als Angehörige meiner demenzkranken Oma bin ich mit einem Mal auf mich selbst gestellt. Meine Rollendefinition muss ich neu formulieren. Das ist schmerzhaft und stellt mein Sein als solches in Frage. Doch ist es notwendig, um zu trauern.

Etwas neues macht der angestammten Rolle Platz.
Mit einem Mal erkannte ich meine neue Funktion in Paulas Leben. Ich bin noch immer ihr Fleisch und Blut. Sie ist noch immer meine Oma. Ich bin in ihrem Vergessen nicht verschwunden. Ich habe nur Platz gemacht. Heute sieht sie in mir ihre Mamme, ihre grosse Schwester, ihre Tochter Uschi und manchmal sogar Zora, ihre Enkelin, also mich.

Das sind dann die Momente, die ich geniesse. Wir sind ganz im Jetzt.
Carpe diem.

Letzte Momente

Einen Menschen beim Sterben begleiten zu dürfen, sei eine grosse Gnade, las ich mal. Ich weiss nicht genau, worin genau diese Gnade besteht, denn einen lieben Menschen zu verlieren ist einfach nur hart.

An jenem Wochenende, bevor meine Mutter starb, wurde ich vom Pflegeheim angerufen. Es ging ihr schlecht und ich hatte darum gebeten, dass man mich informiert. So fuhr ich für zwei Stunden von der Arbeit weg zu ihr, durch den dicken Nebel. Ich erinnere mich noch genau, dass ich die Fenster meines Wagen runtergelassen habe, damit die Kälte mich umgibt. Ich weinte.

Meine Mutter sass auf ihrem Bett und freute sich, dass ich vorbei kam. Sie fand es allerdings fragwürdig, dass ich dunkle Kleider trug. „Ich bin im Fall noch nicht tot, Mädchen!“ sagte sie. Sie liebte Farben über alles. Ich hingegen liebte Schwarz, Braun und Grau.

Ich wollte sie eigentlich fragen, wie es ihr geht. Ich hätte wissen wollen, ob sie Angst hat vor dem grossen Nichts. Doch sie verbat sich jegliches Fragen nach dem Tod. Ich akzeptierte es. So sass ich neben ihr auf dem Bett und schaute mit ihr Strickhefte an. Sie erklärte mir, was ihr gefiel, welche Wolle sie bevorzugte und welches Muster etwas schwierig war.

Ich hatte den Geruch von Leber in der Nase. Sie litt an einer Leberzirrhose, die ihren Körper langsam vergiftete.

Wir sassen da und sie hielt meine Hand.
Dann ging ich wieder fort durch den Nebel.

Am nächsten Abend, es war Montag, rief sie mich auf mein Handy an. Sie klang aufgestellt.
„Wie gehts dir so?“ wollte sie wissen.
Ich erzählte ihr, dass ich gerade auf dem Heimweg war.
„Pass auf durch den Nebel. Das ist gefährlich.“
Ich fragte sie, wie es ihr ging.
„Ach, heute war so ein richtig lustiger Tag. Meine Freundin R. kam vorbei. Ich ass eine Portion Spaghetti und jetzt bin ich sehr müde.“
„Dann schlaf“, sagte ich.
„Das werde ich, meine Liebe. Ich wollte dich nur noch anrufen, um dir danke zu sagen, dass du immer für mich da warst.“

In dem Moment wusste ich es.
Wir verabschiedeten uns.

Am nächsten Morgen war sie nicht mehr ansprechbar. Sie schlief sehr langsam ein. Der Nebel lichtete erst einen Tag später. Die Sonne schien.

Gartenarbeiten

Ein Blick in meine Agenda genügt. Ich werde wenig Zeit in den nächsten Wochen haben. Das Haus und der Garten rufen aber. Die Bäume und Büsche wollen geschnitten werden. Besonders der uralte Goldregen hats nötig.

So stehe ich im eisigen Nieselregen da und schneide. Ein seltsames Gefühl. Das Haus wirkt einsam, der Winter hat seine Spuren hinterlassen. Doch zum ersten Mal seit Paulas Heimeintritt empfinde ich grosse Freude, wenn ich zu ihrem Haus gehe.

Ich möchte es kaufen und vor meinem geistigen Auge sehe ich den Gemüsegarten, die Johannisbeerplantage, die Terrasse im Sommer. Ich hole die Säge aus dem Kellerabteil, wo mein Büro entstehen soll. Dann schneide ich den Goldregen zu.

Meine Gedanken wandern zu meinem Urgrossvater, der hier Waschbären gezüchtet hat. Was würde er wohl sagen, wenn er mich sähe? Der Goldregen steht neben dem kleinen Stall. Inzwischen ist das Beet überwachsen. Hier lagen einst grosse Steine, auf denen im Hochsommer die Eidechsen ihr Sonnenbad genossen.

Ich schaue auf die Kellertür. Mein Grossvater verbrachte einen grossen Teil seiner letzten Jahre in diesem Keller. Hier hörte er Radio, trank seinen Rosé, rauchte und sägte Holz.

Mir wird mit einem Mal bewusst, wie sehr ich mit dem Haus und seinen ehemaligen Bewohnern verstrickt bin. Ich schaue auf den Bach, der am Haus vorbei fliesst. Wenn es jeweils stark regnet, schwillt er an. mehr als einmal trat er über die Kanalmauern. Aber den Keller meiner Grosseltern hat er offenbar nie überschwemmt.

Hier an diesem Ort verbrachte ich meine Schulferien. Es ist der Ort, wo ich immer glücklich war. Ich liebe dieses Haus, seine Bäume, die Wiese und den Bach so sehr. Vielleicht gehört es im Sommer schon mir. Dann wäre ich eine sehr glückliche Frau.

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Das Haus von hinten.

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Das alte Tor ist zerfallen. Die Katzen streichen gerne dort herum.

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Paula liebte es, Steine auf Schächten zu deponieren.

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Die Kellertüre.

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Mitten im Gelände steht dieser Baum.

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Der Waschbärenstall.

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Das Haus.

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Der alte Goldregen