Oder

Heute während der Heimfahrt von der Arbeit überkam mich eine Welle der Trauer.
Ich weiss nicht mal richtig warum.
Vielleicht war es der Anblick jener sehr alten Frau, die von hinten aussah, als wäre es Omi.
Am liebsten hätte ich angehalten.

„Du fehlst, Omi“ fuhr mir durch den Kopf.
Und dann flossen die Tränen.
Ich konnte einfach nicht mehr aufhören mit Weinen.

Freitagnachmittag.
Fast zwei Jahre hatte ich Zeit, die Freitagnachmittage zum Besuch zu nutzen.
Rückblickend war es zu kurz.
Ich erinnere mich noch genau an jenen schönen Freitag, als eine Ländlergruppe ihre Probe in Omis Pflegeheim abhielt und wir zusammen im Gemeinschaftsraum verzaubert der Musik lauschten.
„Ach Omi“, denke ich.

Jedes Mal, wenn ich sie besuchen ging, hatte sie ein gutes Wort für mich übrig.
„Du siehst gut aus.“
oder
„Hast du abgenommen? Schau aber auf dich, Meitli.“
oder
„Dings. Schön, dass du mal wieder da bist.“
oder
„Hast du zugenommen? Steht dir aber gut.“
Manchmal bot mir Omi auch Kaffee oder Bier an.
Oder Schoggi.

Ich bin Omi nie besuchen gegangen, wenn es mir schlecht ging.
Oder wenn ich krank war.
Oder wütend.
Omi hat nämlich immer gespürt, wie es mir ging.
Sie hat es jedes Mal persönlich genommen.
Das wollte ich nicht.

Wenn ich aber fröhlich zu Omi ging.
Ohne Sorgen.
Nur im Hier und Jetzt.
Verlief alles ruhig.
Ich fühlte mich jedes Mal gut und gestärkt, wenn ich wieder heimwärts fuhr.

Omis letzte Worte begleiten mich durch den Alltag:
„Aber warum bist du denn traurig?“

Weil du mir so fehlst, liebe Omi.

Reisegedanken

Ich weiss nicht, wie oft Omi und ich von Lichtensteig aus mit dem Zug nach St. Gallen gefahren sind. Die Reise durch Wälder, Nagelfluhlandschaften und die Sicht in die Ferne, kurz vor Herisau war für mich immer ein riesiges Erlebnis. Omi erzählte Geschichten, verpflegte mich und meine Schwester mit Süssigkeiten und bestaunte mit uns all die Dörfer auf unserer Fahrt.

Heute fahre ich diese Strecke alleine. Ich muss ganz fest an Omi denken, denn sie fehlt mir gerade bei dieser Reise sehr. Wir sind vor langer Zeit das letzte Mal gemeinsam mit dem Zug gefahren. Sie war vor über fünf Jahren nicht mehr gut zu Fuss und ich holte sie für Einkaufstouren einfach mit dem Auto ab.

Kurz nach dem Tod meiner Mutter, ihrer Tochter, sind wir gemeinsam mit einem Reisecar an den Weihnachtsmarkt in Ulm gefahren. Das Gefühl, das ich damals empfand, das ist unsere letzte gemeinsame Reise, hat mich nicht betrogen.

Beim Gedanken an Omi fühle ich, noch immer eine grosse Leere. Mir scheint, als wäre ein Teil meines Herzens verbrannt. Der Schmerz, die Trauer um Omi, sitzt tief. Ich vermisse sie.

Die Wälder ziehen an mir vorüber. Mein Blick fällt bei Mogelsberg auf alte Häuser. Ich muss an mein eigenes Haus denken, das auch sehr alt ist. Dann denke ich: Omi ist noch immer bei dir. Sie ist in den Mauern, den Möbeln und vor allem im Garten. Ich freu mich auf ihre Tulpen und die Rosen, die sie vor vielen Jahren neu gepflanzt hat. Der Frühling war Omis Lieblingsjahreszeit.

Paula im Zug

So unsagbar

Omi ist jetzt einen Monat tot.
Ehrlich gesagt kommt es mir vor, als wäre es vor Jahrzehnten passiert. Oder gar nicht.
Ich vermisse sie so sehr.

Immer wieder verspüre ich den Wunsch, sie im Pflegeheim zu besuchen. Nur kurz reinschauen.
Dann fällt mir schmerzhaft ein, dass sie nicht mehr da ist.
Ich möchte so gerne ihre Fotoalben durchblättern. Aber dann fange ich wieder an zu weinen. Ich habe ihr liebes Gesicht ohnehin in meinem Herzen. Ihre Stimme fehlt mir so sehr. Ihr Lächeln. Das Streicheln ihrer zarten, langen Hände.

Schön sind die Begegnungen mit all jenen Menschen, die auch gerade jemanden verloren haben. Da braucht es so wenige Worte und man fühlt sich zugehörig und versteht einander. Es entstehen wirklich tiefgründige Gespräche fernab von Sätzen wie: „Es ging ihr doch gut, dass sie sterben konnte.“ oder „Sei doch froh, dass sie nicht mehr leiden musste.“

Einmal mehr fährt es mir ein, wie speziell die Lage von uns Angehörigen von Demenzkranken ist: Wir trauern jahrelang um den Menschen, der uns langsam vergisst und doch am Leben ist. Und wenn sie dann einmal tot sind, dann versucht man uns zu trösten, indem man unsere Trauer klein redet.

Omi hat mich oft gefragt: „Schämst du dich meinetwegen?“ Meine Antwort war immer: „Nein!“ Das ist auch jetzt so. Ich kann nicht aufhören, über sie zu sprechen und zu schreiben. Ich bin so stolz auf sie. So glücklich, dass ich ihre Enkelin bin. So unsagbar traurig, dass sie gegangen ist.

Die Zauberin

Omi liebte es, Geschichten zu erzählen. Ich, die Enkelin, hörte fürs Leben gerne zu. Es waren nie grosse Romane, die sie zum Besten gab. Immerzu waren es die Geschichten unserer Familien, die Missgeschicke und Alltagserlebnisse, die Eheprobleme, die Geburten, die Todesfälle. Omi konnte aus dem Nichts etwas zaubern. Aus Leintüchern an der Wöschhenki wurde ein Schloss. Aus Karton eine Burg. Aus Tüchern ein Ballkleid. Jeder Spaziergang mit ihr wurde zu einer Weltreise. Omi konnte in allem Schönheit entdecken.

Als Omi demenzkrank wurde, drehte sich vieles um. Nun war plötzlich ich die, die wusste. Omi hörte zu ohne verstehen. Sie wunderte sich oft. Manchmal sagte sie: „Diese Geschichte kommt mir sehr bekannt vor. Ich kenne jemanden, dem das auch passiert ist.“
Jedes Mal, wenn wir im Pflegeheim vorbeischauten, erzählte sie uns ihre Erlebnisse. Nur leider schilderte sie diese in einer Sprache, die wir noch nicht verstanden.

Jetzt erzähle ich meine eigenen Geschichten und Omi kommt darin vor. Sie ist eine Erinnerung, die noch sehr präsent ist.

Meine Trauer um Omi erscheint mir wie eine schwarze Raupe, die sich langsam in einen Schmetterling aus weissen Federn verwandeln soll. Noch ist sie schwarz. Aber ich hoffe auf weiss.

Winterbach

Ich mag den blauen Himmel und die schneebedeckten Hügel des Toggenburgs.
Gestern waren wir in der Migros Wattwil einkaufen. Omi und ich waren oft dort. Sie liebte Einkaufen. Der Laden hat sich verändert, seit ich mit Omi da war. Es ist alles moderner geworden und manchmal denke: Omi, da wärst du nicht mehr klar gekommen.

Wenn ich am Joghurt-Regal vorbei laufe, lächle ich. Himbeer-Joghurts hat sie so sehr geliebt. Und Milchschnitten. Für einen Moment lang will ich danach greifen. Ich denke, das bringe ich nachher mit. Das kann sie gut beissen.

Dann fährt es mir in den Kopf: sie ist nicht mehr.

Als wir aus der Tiefgarage fahren, ist mein erster Impuls, links abzubiegen. In Ebnat-Kappel hat Omi die letzten Jahre verbracht. „Schnell bei Omi vorbei schauen“, denke ich.

Es tut weh, wenn einem bewusst wird, dass ein Kapitel des eigenen Lebens unwiderruflich abgeschlossen ist. Nie mehr Omi im Pflegeheim besuchen. Keine Umarmung mehr.

Im Alltag fehlt sie mir sehr, auch wenn wir nicht mehr so viel Zeit miteinander verbracht haben wie während meiner Kindheit. So vieles erinnert mich an sie. Der Zug. Die Läden. Die Strassen.

Der Bach neben unserem Haus friert langsam zu. Es ist ein seltsames Schauen. Ich denke: gell, Omi, es war dir einfach zu kalt. Aber irgendwann blühen wieder die Rosen und der Schnee macht dem hellen Grün der Wiese Platz.

Freitag, 20. Januar 2017

Ein klein wenig habe ich mich auf gestern gefreut.
Seit Omis Tod am 9. Januar habe ich ihre Beerdigung organisiert.
Ich habe Freunde informiert und eingeladen, Blumen bestellt, mit dem Pfarrer gesprochen, ihre Todesanzeige und den Lebenslauf geschrieben und das Leidmahl organisiert. An Omis Beerdigung sollte alles so sein, wie sie es sich immer gewünscht hat.

Mehr als einmal hatte ich den Eindruck, dass sie neben mir sitzt und mir wohlwollend beim Telefonieren zusieht. Anders als beim Tod meiner Mutter fühlte ich mich nicht so gottverlassen. Weil ich wusste, dass Omi bereit war zum Gehen, mischte sich in meine Trauer immer wieder ein Glücksgefühl. Omi wurde nicht einfach aus dem Leben gerissen. Sie ging gelassen.

Trotz allem war ihre Beisetzung schwierig. Der Schnee liegt hoch und es ist sehr kalt. Ihre kleine Urne zu sehen, die auf dem Trauertisch bereitsteht, war für mich wie ein Schlag ins Gesicht. Einmal mehr begreife ich, das ist das Ende. Ihr Grab war freigeschaufelt und wartete nun auf ihre Asche.

Der Pfarrer segnete ihre Urne und wir watschelten alle durch den Schnee zum Grab. Omis Grab liegt praktisch neben Mamis. Wie oft standen wir hier an diesem Platz und weinten gemeinsam?

Ich berühre ein letztes Mal ihre Urne und sage ihr „Auf Wiedersehen!“. Dann gehen wir zurück in die Kirche. Ich kann nicht mehr gerade gehen. Ich fühle mich mit einem Mal uralt. Alles ist schwer und es fühlt sich an, als ob mein Herz aus der Brust gerissen wurde. Ein Freund stützt mich und ich bin dankbar, denn sonst wäre ich einfach zu Boden gefallen.

Der Trauergottesdienst ist wunderschön. Der Pfarrer fand wunderbare Worte für Omi. Sascha las ihren Lebenslauf vor. Ich denke: „Omi, da hast du ja wirklich noch einen Enkel dazu gekriegt.“
Ein wenig bedauere ich es, dass ich mich in der katholischen Kirche wie ein Alien fühle. Meine protestantische Erziehung verhindert, dass ich irgendeinen Satz mitsprechen kann.

Ich muss daran denken, was mir mein Vater erzählt hat: Omi hat nach meiner Geburt versucht, mich katholisch Nottaufen zu lassen. Ich lächle. Jetzt sitzen wir alle da. Mein Vater, seine Frau, Sascha, ich und all die Freunde, die in den letzten Tagen von Omis Leben so sehr an sie dachten und uns bei ihrer Sterbebegleitung mit lieben Worten unterstützten. Einige Bewohner und Mitarbeiterinnen des Pflegeheims sind auch da. Ich werde sie heute wohl alle zum letzten Mal sehen.

Dann ist der Gottesdienst vorüber und wir verabschieden uns voneinander. Ich bin sehr gerührt, dass der Herr Pfarrer mir nochmals anbietet, mich bei ihm melden zu dürfen, wenn ich reden will. Das werde ich wohl gerne annehmen.

Später essen wir gemeinsam in Omis Lieblingsrestaurant. Das Essen schmeckt genau so, wie sie es gemocht hätte. Es gibt eine wunderbare Suppe, Rahmschnitzel mit Spätzli und Mousses. Wir unterhalten uns, lachen und trösten uns.

Für meinen Vater und mich entstehen einige sehr emotionale Momente. Ich sage: „Jetzt habe ich nur noch dich von der Familie.“ Er weiss, was ich meine. Wir weinen beide. Ich erzähle ihm von den Briefen, die Omi nach Svens Tod an ihre Tochter geschrieben hat und sie bittet, ihr Leben nicht wegzuwerfen und für mich und Papi da zu sein. Es ist kaum zu glauben, dass es bald vierzig Jahre her ist. Ich denke: das ist das erste Mal seit 1979, dass Papi und ich an einer Beerdigung sind. Damals trugen wir Sven zu Grabe und wussten nicht, dass dies alles verändern würde.

Wir stehen draussen in der kalten, klaren Luft. Um uns herum ist alles weiss. Die Sonne drückt langsam durch und strahlt uns an. Wir umarmen uns und er drückt mich ganz fest an sich und ich mich an ihn.

familienfoto (3)

Wieder Samstag.

Die Tage vergehen einfach so.
Es schneit wieder. Ich arbeite.
Es ist fast alles wie vorher.

Ich sehe etwas verquollen aus.
Meine Nächte sind schlecht.
Ich bin todmüde und schlafe sogar.
Doch jede Nacht kommen Albträume.
Nie träume ich von Omi.
Es sind tausend andere Dinge.

Meine Brust fühlt sich an, als wäre sie
aufgeschlitzt worden.
Mein Herz tut weh.
Beim Arbeiten vergesse ich den Schmerz.

Gestern sprachen wir mit dem Pfarrer.
Ich habe ein gutes Gefühl und bin auch – irgendwie –
getröstet.
Ich freue mich auf die Abdankungsfeier für Paula.

Die Kisten mit ihren Sachen stehen unausgepackt im kalten Zimmer.
Noch fehlt mir die Energie, den Dingen einen neuen Ort in meinem
Leben zu geben.

Für die Feier schreibe ich Omis Lebenslauf.
Ich bin froh, dass ich so viel aus ihrem Leben weiss.
Das ist ein Trost, besonders jetzt.
Für Omi stimmt das Ende unserer Geschichte.
Für mich nicht.

Sonntag – ein Nachtrag

Omi liegt in ihrem Bett.
Sie ist zur Seite gelagert.
Die Augen geschlossen.
Ihr Gesicht ist eingefallen.
Ihre Atmung geht schneller.
Ich streichle ihre Hand, die kühl wirkt.

Ach Omi. Ich hoffe nur, du kannst jetzt gehen.

Draussen ist alles weiss.
Es fällt weiter Schnee.
Auf dem alten Baum vor dem Pflegeheim haben sich grosse Krähen versammelt.
Ich will ihnen zurufen, denn ihr Gekrächze heimelt mich an.
Aber aus meinem Mund kommt kein Laut.

Als ich aus der Türe des Hauses trete, weine ich.
Die Schritte fallen mir schwer.
Ich bin müde und traurig.

Ich hab das Gefühl, dass ein Teil von Omi schon gegangen ist.
Wenn sie nicht mehr lebt, ist alles anders.

Sonntag

Omi gings gestern wieder schlechter. Sie war sehr unruhig.
Immer wieder versuchte sie mit ihrer linken Hand die Decke wegzuschieben, aufzustehen, was ihr aber nicht gelang, weil sie zu schwach war.

Anders als die letzten Tage habe ich an ihrem Bett nicht geweint.
Ich bin innerlich ruhig und müde. Ich sprach ein wenig mit ihr.
Sagte ihr, wie sehr ich sie liebe.

Der kälteste Tag ist vorbei.
Als ich heute morgen anrufe, erfahre ich, dass es ihr nochmals ein wenig schlechter geht.
Sie macht sich auf den Weg.

Auf den Weg hat sie sich ja schon lange gemacht.
Demenz ist eine Einbahnstrasse und wer sich dorthin aufmacht, kehrt nicht wieder.
Ich vermisse ihr fröhliches Plappern. Ihre liebe Stimme.
Ihr Voressen mit den Rüebli, die sie nur für mich reintut und weichkocht, weil ich sie so gerne mag.

Trauern um jemanden, der noch da ist, aber doch nicht da ist, ist eine seltsame Sache.
Ich denke: 88 Jahre ist ein tolles Alter und niemand, vor allem du nicht, hätte je gedacht, dass du so alt werden würdest. Du hast den Krieg überlebt, deine Hirnhautentzündung, deine seelischen Verletzungen. Du hast deinen Ehemann und deine Tochter überlebt, deine Schwester und deine Brüder. So viele Menschen, die du gerne hattest, sind nicht mehr.

Ab morgen muss ich wieder zur Arbeit fahren. Wenn Paula dann stirbt, kann ich nicht sofort an ihre Seite eilen. Ich will sie nicht alleine lassen, auch wenn ich weiss, dass es ihr Weg ist und nicht meiner.

Ich bin sehr traurig.

Was kommt?

Es gibt etwas, was mich sehr beschäftigt.
1997 wurde ich 20 Jahre alt, in dem Jahr starb Opa. 2007, drei Monate nach meinem dreissigsten Geburtstag, starb Mami. Dieses Jahr werde ich 40 und ich setze mich damit auseinander, dass Omi geht.

Omi ist 88. Sie lebt, anders als es ihre Lebensgeschichte hätte vermuten lassen, noch immer. Als sie ein kleines Mädchen war, erkrankte sie an einer Hirnhautentzündung. Daran wäre sie fast gestorben.

Trotzdem habe ich Angst vor dem Tag, wo Omi nicht mehr ist.
Unsere Verbindung ist sehr tief. Sie ist nicht zu vergleichen mit der Beziehung zwischen Mutter und Tochter. Es ist etwas anderes. Es ist Verstehen ohne Worte. Liebe ohne Bedingungen.

Es gibt Tage, da hadere ich so sehr mit ihrer Demenz. Unsere Gespräche, unser gemeinsames Lachen, die Geschichten, die sie so wunderbar erzählen konnte, fehlen mir. Sie ist meine Verbindung zu all den Leuten, die ich nicht gekannt habe. Das ist mein grösster Verlust und das verzeihe ich der Demenz nie.

Dann wieder gibt es Tage, Silvester 2016 war so ein Tag, da bin ich einfach nur verwundert.
Omi hat Fieber, wälzt sich, ist nicht ansprechbar, reagiert dann aber so klar auf Worte und Musik. Es scheint, als wäre sie für einen Moment aus der Tiefe der Demenz aufgetaucht, um mit mir zu reden. Mich zu trösten. Mir zu sagen, dass ich keine Angst zu haben brauche, denn Omi hat auch keine Angst.

Es gibt Menschen, die mir sagen, ich darf Omi loslassen. Oder ich höre „das Leben ist halt so“.
Ich bin dann immer etwas hilflos, denn das weiss ich alles selber.
Ich bin traurig, und ich schaffe es nicht, in dieser Situation Fröhlichkeit und Hoffnung zu vermitteln. Ich schaffe es auch nicht, meine Tränen herunterzuschlucken, denn mir scheint, als wären die Tränen die einzige Möglichkeit, meinen Verlust, den ich erlebe, auszudrücken.